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12.06.2016 11:33 Alter: 3 yrs
Kategorie: Aktuelles
Von: Christian Peter

PS: Pressemitteilungen: 90 Prozent landen im Papierkorb


Die Öffentlichkeitsarbeit von großen Unternehmen, kleinen Firmen, Behörden, Vereinen, Verbänden oder Umweltgruppen nimmt kontinuierlich zu. Denn zahlreiche Interessengruppen aus Wirtschaft, Politik, Umwelt, Sport oder Kultur erkennen, dass Medien sich hervorragend eignen, persönliche Kommunikationsziele zu erreichen (vgl. Pürer 2003: 135). Allerdings verschärft sich damit auch enorm der Wettbewerb um die knappe Aufmerksamkeit der Journalisten als Adressaten ihrer Kommunikationsaktivitäten.

Wer sich demzufolge mit seinen Themen in der Kommunikationsarena behaupten möchte, braucht profunde Kenntnisse über die Produktionsroutinen in Medienbetrieben. Damit eben eine Pressemitteilung sich in den Medien als Nachricht entpuppt und nicht dagegen sich ungelesen im Papierkorb wiederfindet. Daher bedingt eine erfolgreiche Pressearbeit, dass diese Kommunikationsangebote die Erwartungen und Wünsche von Journalisten erfüllen.

Aus diesem Grunde untersuchen zahlreiche Studien die Qualität von Presseinformationen. So befragt im Oktober 2013 das Institut für Organisationskommunikation der Universität der Bundeswehr München deutschlandweit ungefähr 12.000 Journalisten. Davon antworten über 1.600 Medienvertreter und versetzt damit diese Studie in den Rang der „umfassendsten Befragung von Journalisten in den letzten Jahren“. Die ausgewogene Zusammensetzung des Panels sorgt zudem für eine hohe Aussagekraft der Ergebnisse, betonen die Wissenschaftler, Carsten Rennhak und Evelyn Lahr-Eigen. (vgl. Rennhak und Lahr-Eigen 2013: 2).

Abbildung

 

Quelle: Rennhak und Lahr-Eigen 2013, 6

Anmerkung zu den Ergebnissen: Mehrfachnennungen waren hier möglich

Die Forscher finden heraus, dass täglich durchschnittlich 54 Pressemitteilungen auf den Schreibtischen von Journalisten landen, sie jeden Tag mit Informationen überschwemmt werden (vgl. Abbildung). Daher erscheint es auf den ersten Blick nicht verwunderlich, wenn die Medienvertreter knapp 60 Prozent aller Meldungen lediglich überfliegen und fast die Hälfte davon ungelesen löschen. Doch die Zeitknappheit der Journalisten greift als ausschließliche Begründung zu kurz, warum letztlich annähernd 80 Prozent aller Pressemitteilungen im Papierkorb verschwinden (vgl. Riesmeyer 2006: 234).

So kritisiert die Sozialwissenschaftlerin, Claudia Riesmeyer, schon vor Jahren in ihrer Dissertation über das „Verhältnis von Journalismus und Public Relations“ die mangelhafte Aufbereitung von Pressemitteilungen (vgl. Riesmeyer 2006: 112). Ins selbe Horn stoßen weiterhin auch die beispielsweise im April 2013 erhobenen ECCO-Analysen zur „idealen Pressemitteilung“, wie sich Journalisten in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich die Form, Gestaltung und Aufmachung von Pressemitteilungen vorstellen.

Diskutiert werden die zentralen Ergebnisse solcher Untersuchungen, wie von ECCO, in weiteren Beiträgen zur Serie „Pressearbeit: Potenziale ausschöpfen – Aufmerksamkeit erringen“, die in loser Reihenfolge erscheinen werden.

 

Quellen:

ECCO-Studien zu Pressemitteilungen (2013): Wie wünschen sich Journalisten die ideale Pressemitteilung? Getrennte Ergebnisse aus Deutschland, Schweiz und Österreich. ECCO-Agenturnetz: Düsseldorf, München, Berlin, Hamburg. Zwischen 7 und 14 Seiten.

Pürer, Heinz (2003): Publizistik und Kommunikationswissenschaft. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft.

Rennhak, Carsten und Evelin Lahr-Eigen (2013): Das Google-Dilemma. Kurzdarstellung der Ergebnisse einer Journalistenbefragung im Oktober 2013. Universität der Bundeswehr München: Institut für Organisationskommunikation. 11 Seiten.

Riesmeyer, Claudia (2006): Das Verhältnis von Journalismus und Public Relations. Ressort und Status der Informationsquelle als Einflussfaktoren. Eine Fallstudie am Beispiel der Thüringer Allgemeine. Dissertation zur Erlangung des sozialwissenschaftlichen Doktorgrades der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen.

 


 
 

Dr. Christian M. Peter

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